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Ursachen und Folgen einer Antibiotikaresistenz

Ursachen und Folgen einer Antibiotikaresistenz

Wenn Medikamente nicht mehr wirken: das Dilemma der Antibiotikaresistenz

Immer häufiger sind Mediziner aufgrund der sogenannten Antibiotikaresistenz gegen Bakterien machtlos. Innerhalb der letzten Jahre gab es immer mehr Fälle, bei denen sich die krankhaften Bakterienstämme nicht mehr durch die zuvor bewährten Antibiotika bekämpfen ließen. Besonders alarmierend sind diejenigen Bakterien, die nicht gegen ein bestimmtes Antibiotikum, sondern gleich gegen mehrere Präparate resistent sind. Im schlimmsten Fall kann eine durch multiresistente Erreger verursachte Infektion bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem zum Tod führen.

Warum Antibiotikaresistenzen entstehen

Vorrangig sind es oftmals die überflüssigen Verordnungen sowie Einnahme von Antibiotika, die dazu führen, dass sich Resistenzprobleme vergrößern. Viele wissen nicht, dass beispielsweise lediglich etwa 5 % aller Erkältungskrankheiten durch Bakterien verursacht werden, wovon jedoch bis zu 60 % mit einem verschreibungspflichtigen Antibiotikum behandelt werden.
Die Resistenz entsteht daher hauptsächlich aufgrund einer falschen Anwendung. Dies ist der Fall, wenn Antibiotika zu oft oder unsachgemäß eingenommen werden. Jedoch auch die vermehrte Gabe von Antibiotika in der Tierhaltung, die dann über das Fleisch in den menschlichen Organismus gelangen, trägt zu einer Antibiotikaresistenz bei.

 antibiotikaresistenz

Was versteht man unter einer Antibiotikaresistenz?

Ein Antibiotikum ist dafür zuständig, Bakterien zu bekämpfen. Das Medikament bewirkt entweder den sofortigen Tod der Erreger oder vermindert deren Wachstum. Sobald die Bakterien auf die Gabe entsprechender Medikamente nicht reagieren, wird von einer Antibiotikaresistenz gesprochen. Leider geschieht dies öfter, als man denken könnte, denn Bakterien sind wahre Überlebenskünstler. Bereits im Laufe der Evolution haben diese bewiesen, dass sie den ungünstigsten Einflüssen standhalten können. Sie passen sich schnell an die äußeren Gegebenheiten an: So sind sie beispielsweise hitze- oder kältebeständig, unempfindlich gegenüber Strahlung oder feuchtigkeits- und austrocknungsresistent. Innerhalb kürzester Zeit vermehren sie sich in großer Zahl, wobei es zu spontanen Erbgutveränderungen kommen kann, die sie unempfindlich gegenüber äußeren Einflüssen wie Antibiotika werden lassen.

Arten von Resistenzen

Bei der Antibiotikaresistenz können sowohl die natürliche als auch die erworbene chromosomale Resistenz unterschieden werden. Bei der natürlichen Form erlangen die Erreger ihre Resistenzeigenschaften aufgrund einer Wirkungslücke des Medikaments. Das bedeutet, dass der Erreger nicht im Wirkungsbereich des Antibiotikums liegt. Bei der erworbenen Resistenz handelt es sich um die Resistenzfähigkeit der Erreger, die einerseits durch eine Mutation in den Bakteriengenen zustande gekommen ist. Andererseits kann sie durch eine Übertragung der genetischen Informationen entstehen.

Problematisch ist, dass Keime ihre resistenten Eigenschaften weitervererben können: Es wird dann von der extrachromosomalen Resistenz gesprochen. Hierbei kommt es zu einer Genübertragung, wodurch es zu Resistenzen nicht nur gegen das Antibiotikum selbst, sondern gegen die gesamte Arzneimittelgruppe mit dem gleichen Wirkmechanismus kommen kann. Dies wird in der Medizin als Kreuzresistenz bezeichnet. Ebenfalls ist es möglich, dass Bakterien die Resistenzgene in nichtresistente Empfängerzellen übertragen. Daher findet die Resistenzübertragung nicht nur innerhalb eines einzigen Bakterienstammes statt. Vielmehr kann es passieren, dass auch Resistenzen gegen verschiedene Antibiotika übertragen werden, sodass es zu den Mehrfachresistenzen kommen kann, mit denen vor allem Krankenhäuser zu kämpfen haben.

Resistenzmechanismen

Keime entwickeln im Laufe der Zeit unterschiedliche Mechanismen, um die Wirkung der Antibiotika zu schwächen oder gänzlich zu neutralisieren. Der Einfallsreichtum der Bakterien ist groß: So bilden sie beispielsweise inaktivierende Proteine oder setzen die Bindungsfähigkeit für Antibiotika herab, indem sie diejenigen Zielstrukturen verändern, an denen es normalerweise zu einer Bindung kommen würde. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, dass es zu einer Veränderung der Permeabilität der Zellmembran kommt, wodurch das Antibiotikum nur in unzureichendem Maße aufgenommen werden kann. Zu guter Letzt entwickeln die Bakterien spezielle Transportproteine, die sogenannten Efflux-Pumpen, die das Antibiotikum aus der Zelle schleusen, sodass es nicht wirken kann.

Die drastischen Folgen einer Antibiotikaresistenz

Als Folge einer Antibiotikaresistenz bleibt das Medikament bei einem Befall von Krankheitserregern völlig wirkungslos. Es gibt einige Länder, in denen das Ausmaß der Resistenzraten bedrohliche Ausmaße angenommen haben. In Deutschland kommt es ebenfalls zu einem stetigen Anstieg resistenter Keime. Die Zahlen sind dramatisch: Weltweit sterben jedes Jahr etwa 700.000 Menschen, die an Infektionen erkrankt sind, die vor allem durch multiresistente Keime verursacht wurden. Insbesondere die unverwüstlichen Krankenhauskeime sind ein sehr großes Problem. Aktuellen Schätzungen zufolge sterben jährlich rund 25.000 Patienten aufgrund derartiger Krankenhauskeime. Grund hierfür ist neben den durch die Antibiotikaresistenz bedingten Behandlungsschwierigkeiten zudem eine schwache Immunabwehr. Daher zählen zu den stark gefährdeten Patientengruppen vor allem Babys, ältere Menschen, AIDS-Patienten, Organempfänger oder Krebspatienten, die aufgrund einer Chemotherapie stark geschwächt sind.

Das Problem mit den Resistenzen hat weiterhin schwerwiegende Folgen auf viele stationären Therapieverfahren. Bei vielen Operationsverfahren besteht ein hohes Infektionsrisiko, weshalb oftmals antibiotische Begleittherapien unabdingbar sind. Sollten die Antibiotika allerdings nicht mehr ausreichend wirken können, besteht selbst bei einfacheren operativen Eingriffen Lebensgefahr. Gleiches gilt für mögliche Komplikationen wie Wundentzündungen, die nach einem Eingriff entstehen können. Nicht nur der Heilungsprozess wird deutlich verlängert, sondern auch die Liegedauer im Krankenhaus sowie eine stationäre Wiederaufnahme werden deutlich erhöht. Die Zahl der postoperativen Todesfälle nimmt ebenfalls zu, wenn die Standard-Antibiotika nicht ausreichend wirken.