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Sexuelle Probleme bei Herzpatienten

Sexuelle Probleme bei Herzpatienten

Sexuelle Probleme bei Herzpatienten

Sexuelle Probleme kommen häufig sowohl bei Männern als auch bei Frauen vor. Eine Studie der Organisation RutgersWPF aus dem Jahr 2012 hat gezeigt, dass 19 % der sexuell aktiven Männer unter mindestens einem sexuellen Problem leiden. Insbesondere die frühzeitige Ejakulation (10 %), aber auch Erektionsprobleme (8 %) und Lustlosigkeit (5 %) stellen für Männer häufig ein Problem dar. Sexuelle Probleme treten vermehrt auf bei Männern zwischen 15 und 24 Jahren und bei Männern, die in ihrer Jugend Erfahrungen mit sexueller Gewalt oder sexuelle Abnormitäten gemacht haben.  Aus Untersuchungen der Universität Leiden in den Niederlanden geht hervor, dass Männer, die unter Herz- oder Gefäßerkrankungen leiden häufiger von sexuellen Problemen betroffen sind. So gaben mindestens zwei Drittel der männlichen Kardiologie-Patienten an, unter Erektionsstörungen zu leiden.

Mehr Aufmerksamkeit für sexuelle Probleme

Eben diese Studie hat gezeigt, dass diese Patienten sich eine verstärkte Auseinandersetzung des Kardiologen mit ihren sexuellen Problemen wünschen. Lediglich zwei Prozent der befragten Kardiologen sprechen mit ihren männlichen Patienten über deren sexuelle Probleme. Ein Drittel der befragten Kardiologen sprechen das Thema Sexualität selten bis gar nicht an. Grund hierfür ist jedoch nicht, dass diese sich der Probleme nicht bewusst sind, sondern vielmehr insbesondere ein Mangel an Training und Zeit. Zudem konstatiert die Studie unzureichende Kenntnisse der Kardiologen  über die Auswirkungen bestimmter Medikamente auf sexuelle Funktionen. Dank den aus der Studie gewonnenen Erkenntnissen, wird zukünftig hoffentlich mehr Zeit für Patientengespräche über deren sexuelle Probleme aufgewendet werden. Denn Intimität und Sexualität sind wichtige Faktoren für die Lebensqualität. Sexuelle Probleme haben darüber hinaus oft negative Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein und die Beziehung zu anderen Menschen.

Auswirkungen von Herzmedikamenten auf die Sexualität

Mit Herz- und/oder Gefäßerkrankungen konfrontiert zu werden, ist nicht einfach. Ebenso schwer fällt es dann oft, das alltägliche Leben wieder aufzunehmen. Gefühle wie Unsicherheit und ein verringertes Vertrauen zum eigenen Körper können ein große Rolle spielen im Leben eines Herzpatienten. Diese haben oft Angst vor Herzanfällen und trauen sich aus deshalb nicht mehr, Sport zu treiben. Und auch sexuelle Aktivitäten werden verringert. Herzpatienten müssen zudem oft über lange Zeit – wenn nicht sogar lebenslang – Medikamente einnehmen. Diese können in manchen Fällen unangenehme Nebenwirkungen aufweisen und sorgen häufig für eine verringertes sexuelles Verlangen, Erektionsstörungen oder andere sexuelle Probleme. Besonders Betablocker, Wassertabletten und Digoxin sind für diese Arten von Nebenwirkungen bekannt. Manchmal hilft es bereits, zu einem anderen Medikament zu wechseln. Zwar ist dies mit einigen Mühen verbunden, wirkt sich jedoch langfristig sehr auf die Lebensqualität aus.

Potenzmittel können eine Gefahr für Herzpatienten darstellen

Etwa 30 % der befragten Männer mit Herzleiden verwenden Medikamente wie Viagra, um eine Erektion zu erlangen. Dies kann jedoch im Zusammenspiel mit bestimmten Herzmedikamenten eine echte Gefahr darstellen. Kardiologen wissen zudem häufig nicht, dass ihre Patienten diese Art von Potenzmitteln gebrauchen. Wenn Kardiologen sich mehr den sexuellen Problemen ihrer Patienten widmen würden, könnten diese Gefahren reduziert werden.

Es bleibt zu wünschen, dass die Studie der Universität Leiden dazu beiträgt, dass sexuelle Probleme in ärztlichen Untersuchungen künftig mehr Beachtung finden. Denn diese Probleme spielen nicht nur bei Herzpatienten, sondern auch bei anderen Patientengruppen eine Rolle.

Quellen: 

  1. Wehr, M. H. (2005). Herzkrankheit und sexuelle Aktivität. Geriatrische Kardiologie, 152-154.
  2. Hartmann, U. (2000). Aspekte bei Erektionsstörungen. Deutsches Ärzteblatt,97(10).
  3. www.lumc.nl

Hinweis: Die Meinungen und Äußerungen in diesem Artikel sind die des Autors und spiegeln nicht (zwingend) die Meinung von Dokteronline.com wieder.