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Medikamente und Verkehrssicherheit

Medikamente und Verkehrssicherheit

Medikamente im Straßenverkehr

Wir werden zwar immer mobiler, aber auch abhängiger von unserem Auto, um von A nach B zu kommen.  Wir verschwenden darüber hinaus auch pausenlos unsere Zeit, indem wir uns über unwesentliche Dinge Gedanken machen, wie z.B. über potentielle, jedoch abwegige Gefahren. Verkehrsunglücke sind hierzulande die häufigste, unnatürliche Todesursache. Erwachsene bis zum 25. Lebensjahr gehören zur größten Risikogruppe, um bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen. Das liegt nicht zuletzt auch an ihrem unbedachteren Fahrverhalten. Die Älteren verunglücken hingegen meist aufgrund von Medikamentennebenwirkungen.

Risiken/Nebenwirkungen

Um sicher Auto zu fahren bedarf es in den meisten Fällen sowohl der Konzentration, als auch der physischen Koordination. Sämtliche Einflüsse, die die Konzentration oder Koordination beeinflussen können, wie z.B. Alkohol und Drogen (Kokain, Cannabis, Aufputschmittel, etc.), führen dazu, dass das Autofahren risikoreicher wird. Nicht nur für den Fahrer, sondern vor allem auch für die Beifahrer und die anderen Verkehrsteilnehmer.

Häufig wird auch außer Acht gelassen, dass (rezeptpflichtige) Medikamente das Konzentrations- und Koordinationsvermögen ebenfalls beeinflussen können. Viele Medikamente verursachen Nebenwirkungen, auf die man beim Autofahren achten muss. Eine belgische Untersuchung aus dem Jahr 1999, die sich mit dem Einfluss von Medikamenten auf den Straßenverkehr beschäftigt hatte, hat belegt, dass 42 Arten von Medikamenten (24% aller Medikamente) in mehr oder weniger großem Ausmaße auf die Verkehrssicherheit einen Einfluss haben.

Medikamente können, physisch betrachtet, die Muskelkoordination beeinträchtigen oder blockieren. Dies kann wiederum zu reflexartigen Bewegungen in einem Moment führen, in dem Sie eine Notbremsung vornehmen müssen. Bestimmte Medikamente können darüber hinaus auch das Sehvermögen beeinflussen, was auf die Fahrtauglichkeit ebenfalls einen negativen Einfluss hat.

Mental gesehen, können bestimmte Medikamente auch Müdigkeit hervorrufen oder die Wahrnehmungsfähigkeit oder das Denkvermögen beeinflussen. Auch diese Nebenwirkungen haben auf die Verkehrssicherheit einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Darüber hinaus verursachen einige Medikamente Übelkeit oder Magenbeschwerden. Hierdurch fokussieren sich die Betroffenen eher auf die Beschwerden, als auch den Straßenverkehr.

Welche Medikamente beeinflussen die Fahrtauglichkeit?

Die nachfolgenden Medikamente sind, in Bezug auf die Risiken mit der Verkehrssicherheit, die am häufigsten verschriebenen Medikamente:

  1. Opiate – unter anderem auch Kodein. Dieses befindet sich häufig in Schmerzmitteln, aber auch in Husten- und Erkältungsmitteln.
  2. Beruhigungsmittel – unter anderem Benzodiazepine, wie Diazepam, Lorazepam und Temazepam, die zur Behandlung von Angstzuständen oder Schlaflosigkeit verschrieben werden.
  3. Schlafmittel – wie Zopiclon und Zolpidem.
  4. Antidepressiva – insbesondere diejenigen die zur tricyclischen Gruppe gehören, wie zum Beispiel Amitriptylin, das unter anderem Schwindel, Benommenheit und Sehstörungen verursachen kann.
  5. Antihistaminika – einige von ihnen haben eine beruhigende Wirkung, wie z.B. Chlorpheniramin.
  6. Antihypertensiva – wie z.B. Beta-Blocker, die infolge der Blutdrucksenkung zu Schwindel führen können.
  7. Koffein- und stimulierende Tabletten – diese können die physische und geistige Leistungsfähigkeit beeinflussen.

Kategorie 1 (Opiate) und 2 (Beruhigungsmittel) werden als am gefährlichsten eingestuft. In Großbritannien ist es seit 2015 gesetzlich vorgeschrieben, dass diese Medikamente einen maximalen Blutwert nicht übersteigen dürfen. Falls die Werte dennoch höher sind, dann ist eine Verabreichung, ohne gesonderte, ärztliche Zustimmung, verboten.

Für die anderen Kategorien gilt, dass es schwierig ist um das Risiko aller Medikamente zu klassifizieren, die zu dieser Gruppe gehören. So ergab die belgische Studie, dass 7 der 24 Antihistaminika und 12 der 20 Betablocker auf die Fahrtauglichkeit keinen Einfluss hatten. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie vor der Einnahme jedes Produktes darauf achten, welche Nebenwirkungen möglich sind.

Beachten Sie des Weiteren, dass die Medikamente auf jeden Menschen auch einen unterschiedlichen Einfluss haben können. Bei den meisten Medikamenten gestaltet es sich ferner schwierig, um eine genau Prognose zu den Nebenwirkungen zu erstellen. Denn häufig hängen die Nebenwirkungen auch von der Dosis, dem Abstand zwischen der Einnahme und dem Fahren, den Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, der individuellen Verträglichkeit und dem allgemeinen körperlichen Zustand zusammen. Lassen Sie das Auto im Zweifel besser stehen!

Mein Rat zu Medikamenten im Straßenverkehr

Gerade der letzte Satz kann nicht häufig genug wiederholt werden: Falls Sie Zweifel an Ihrer Fahrtauglichkeit haben, dann lassen Sie das Auto stehen! Sprechen Sie zunächst mit einem Arzt oder Apotheker darüber, ob es sinnvoll ist sich ans Steuer zu setzen.

Seien Sie besonders Aufmerksam, wenn Sie ein Medikament zu ersten Mal einnehmen. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2007 hat belegt, dass das Risiko von medikamentenbedingten Verkehrsunfällen in der ersten Woche der Medikamenteneinnahme am Größten ist.

Darüber hinaus sollten Sie auch auf Ihren Alkoholkonsum achten. Denn Alkohol kann die Wirkung und Nebenwirkungen bestimmter Medikamente noch verstärken. Unabhängig von dem Einfluss auf die Medikamente, ist Alkohol eine der Hauptursachen von Verkehrsunfällen. Auch hierbei gilt die Regel: lassen Sie das Auto im Zweifel lieber stehen und nehmen Sie stattdessen ein Taxi.

Achten Sie auf Ihre Medikamenteneinnahme, falls Sie Medikamente zur Behandlung von Krankheiten einnehmen, welche die Fahrtauglichkeit selber beeinflussen können. Bei solchen Erkrankungen handelt es sich z.B. um Epilepsie oder Diabetes. Falls Sie die Einnahme der Medikamente vergessen haben, dann sollten Sie den Plan, Auto zu fahren, ebenfalls überdenken.

Ich wünsche Ihnen eine sichere Fahrt, wo immer ihr Weg Sie auch hinführt.

© Syed Z Arfeen
Medizinischer Berater
Mai 2016