Blog

Lippenherpesvirus hilft gegen Hautkrebs

Lippenherpesvirus hilft gegen Hautkrebs

Lippenherpesvirus tötet Krebszellen

Wieder ist ein großer Schritt im Kampf gegen Hautkrebs gelungen. Diesmal handelt es sich um eine wirklich sehr überraschende Entdeckung: Lippenherpes hilft gegen Hautkrebs! Das Herpes-Simplex-Virus, welches als Verursacher für Lippenherpes gilt, scheint die Krebszellen eines Melanoms vernichten zu können. Wer hätte gedacht, dass das Virus, welches sonst unangenehme Bläschen an der Lippe verursacht, solch ein Potential birgt.

Immuntherapie gegen Hautkrebs

Die neue, vielversprechende Behandlungsmethode fand letzte Woche erstmals Anwendung im Antoni-van-Leeuwenhoek-Krankenhaus in Amsterdam. Bei der Therapie wird eine modifizierte Form des Herpes-Simplex-Virus in das Melanom injiziert. Das Virus befällt die Krebszellen, wodurch diese zerstört werden. Dem Medikament, welches den Namen T-VEC trägt, wurde zudem eine bestimmte Art Eiweiß zugesetzt, welche das Immunsystem anregt. Die Behandlung fällt daher unter die Kategorie Immuntherapie, eine Therapieform, bei der das Immunsystem des Körpers angekurbelt wird, um die körpereigene Abwehr von Krebszellen zu fördern.

Einzigartiges Medikament: T-VEC

T-VEC ist einzigartig, denn es ist das erste Mal, dass ein Virus als Heilmittel gegen Hautkrebs eingesetzt wird. Der Vorteil von T-VEC liegt in seiner lokalen Einsetzbarkeit, welche eine Behandlung ermöglicht, bei der der übrige Körper nicht belastet wird. Das Herpes-Simplex-Virus verschont hierbei gesunde Zellen und befällt ausschließlich Krebszellen.

Die neue Behandlungsmethode ist für Menschen bestimmt, bei denen das Melanom in die Hautzellen, unter die Haut und / oder in die Lymphknoten, jedoch noch nicht in die Organe vorgedrungen ist. T-VEC wurde dabei so entwickelt, dass die Anwendung des Medikaments im Gegenzug kein Lippenherpes verursacht.

Impfstoff gegen Melanom

T-VEC ist jedoch nicht die einzige neue Entwicklung bei der Bekämpfung von Hautkrebs. So sind Wissenschaftler am medezinischen Zentrum der Radboud Universität in Nijmegen mit dem Testen eines Impfstoffes beschäftigt, welcher einen erneuten Ausbruch von Hautkrebs verhindern soll. Der Impfstoff wirkt auf Basis sogenannter dendritischer Zellen, welche das Immunsystem dazu bringen, Krebszellen zu beseitigen. Vorgesehen ist der Impfstoff für Menschen mit erweiterten Lymphknoten.

Übernahme durch die Krankenkasse

Wenngleich das Medikament sich noch in der Testphase befindet und definitive Aussagen über dessen Effektivität erst in 2021 getroffen werden können, wird die Behandlung schon jetzt von den Krankenkassen übernommen.

Alles in allem sind dies wichtige Entwicklungen, die hoffentlich dazu beitragen werden, dieser aggressiven Form von Hautkrebs etwas entgegenzusetzen.

Was ist ein Melanom?

Ein Melanom ist eine aggressive und sich schnell ausbreitende Form von Hautkrebs. Glücklicherweise handelt es sich hierbei jedoch um eine seltene Krebsart. Dennoch werden pro Jahr noch immer etwa 5500 Menschen mit dieser Erkrankung diagnostiziert.

Entstehung eines Melanoms

Ein Melanom entwickelt sich meist aus einem bereits bestehendem Muttermal. Hierbei können Veränderungen in diesem Muttermal auftreten, wie eine Veränderung der Farbe oder das Entstehen von Schorf oder Pusteln. Zudem kann das Muttermal an Größe zunehmen, jucken oder stechen und schneller bluten. Sobald sich ein Melanom auf die Organe ausgebreitet hat, ist diese Form von Hautkrebs nur noch schwer zu behandeln.

Behandlung eines Melanoms

T-VEC ist eine neue, doch glücklicherweise nicht die einzige Form zur Behandlung von Hautkrebs. Die derzeitigen Behandlungsmethoden zur Bekämpfung eines Melanoms sind:

Operation

Bei einer Operation wird das Melanom sowie (soweit möglich) eventuelle Streuungen herausgeschnitten. Der Chirurg schneidet hierbei auch das umliegende gesunde Hautgewebe mit weg, um das Risiko für einen erneuten Ausbruch des Hautkrebses zu verringern.

Bestrahlung

Bei einer Strahlentherapie werden die Krebszellen durch radioaktive Strahlen zerstört. Die Bestrahlung eines Melanoms sowie eventueller Streuungen kann eine Alternative sein, wenn eine Operation nicht möglich ist oder vom Patienten nicht gewünscht wird.

Gezielte Krebstherapie

Bei einer gezielten Krebstherapie – auch targeted therapy genannt – wird die Krebserkrankung mit bestimmten Medikamenten behandelt. Diese Therapie findet vorallem Anwendung bei Menschen mit einer Mutation im BRAF-Gen. Diese Abweichung liegt bei etwa der Hälfte aller Menschen mit einem Melanom vor. Die Medikamente hemmen die Entstehung einer bestimmten Eiweißform, welche durch die Genabweichung ein ungehemmtes Zellwachstum verursacht.

Andere Formen von Immuntherapie

Die Immuntherapie ist, ebenso wie das Medikament T-VEC, auf die Stärkung des körpereigenen Immunsystems ausgerichtet, sodass der Körper imstande ist, die Krebszellen aus eigener Kraft zu vernichten.

Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie werden die Krebszellen mittels Medikamenten aus der Gruppe der Zytostatika zerstört. Eine Chemotherapie zeigt bei der Behandlung eines Melanoms keine große Wirkung, wird jedoch in einigen Fällen zur Bekämpfung eventueller Streuungen eingesetzt.

In einigen Fällen ist es möglich, dass Ärzte sich für den gleichzeitigen Einsatz mehrer Behandlungsmethoden entscheiden.