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Gefährlicher Trend: Warum die angesagte Eiweiß-Diät uns schaden kann

Gefährlicher Trend: Warum die angesagte Eiweiß-Diät uns schaden kann

Jedes Jahr zum Jahreswechsel nehmen sich zahlreiche Menschen vor, im neuen Jahr ihren Winterspeck loszuwerden und spätestens bis zum Sommer wieder top in Form zu sein. Der gute Vorsatz: Mehr Sport treiben und die Ernährung umstellen. Besonders die sogenannte Eiweiß-Diät liegt seit den letzten Jahren im Trend. Doch die angesagte Diät kann langfristig schädlich für unsere Gesundheit sein.

Die Eiweiß-Diät: Viel Eiweiß, wenig Kohlenhydrate und Fett

Stars wie Heidi Klum, Gwen Stefani und Gisele Bündchen machen es vor: Mithilfe eines proteinreichen Abnehmprogramms haben sie innerhalb kürzester Zeit etliche Kilos verloren und strahlen uns von Plakaten und aus dem Fernsehen mit Traumfiguren entgegen. Das Prinzip der Eiweiß-Diät: Sie besteht hauptsächlich aus proteinreicher Kost. Hier stehen vor allem Eier, mageres Fleisch, Fisch, Gemüse und Milchprodukte auf dem Speiseplan. Kohlenhydrate wie Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln sowie fetthaltige Nahrungsmittel wie Wurst sind dagegen tabu.

In Kombination mit einem geeigneten Sportprogramm purzeln die Pfunde aufgrund der geringen Kalorienzufuhr und der fettarmen Kost sehr schnell. Unterstützt wird das auch dadurch, dass proteinreiche Nahrungsmittel länger satt machen als Kohlenhydrate und dadurch insgesamt weniger gegessen wird. Ein weiterer Pluspunkt: Die verstärkte Zufuhr von Eiweiß fördert den Muskelaufbau. Dadurch wird selbst im Ruhezustand mehr Energie verbrannt.

Doch was zunächst nach einer Wunderdiät klingt, hat auch einige Nachteile. Vegetarier beispielsweise müssen die tierischen Eiweiße durch pflanzliche ersetzen, da sie kein Fleisch essen. Noch schwieriger wird es für Veganer, die auch keine Eier und keine Milchprodukte wie Käse oder Joghurt essen. Zudem kann es zum Jojo-Effekt kommen, wenn sich nach der Diät wieder kohlenhydratreich ernährt wird. Der größte Nachteil besteht allerdings in den zahlreichen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit.

Mangelerscheinungen: Warum ein Verzicht auf Kohlenhydrate ungesund ist

Die Menge an Kohlenhydraten im Rahmen einer „Low-Carb“- oder Eiweiß-Diät zu reduzieren, kann sich vorteilhaft auf das Gewicht und die Gesundheit auswirken. Anders sieht es jedoch aus, wenn so gut wie komplett auf Kohlenhydrate verzichtet wird. So kann eine einseitige, kohlenhydratarme Ernährung langfristig zu Mangelerscheinungen führen. Denn Kohlenhydrate unterstützen wichtige Funktionen unseres Körpers. Sie werden für körperliche Aktivitäten benötigt, fördern die Gehirnarbeit und regulieren die Verdauung sowie den Eiweiß- und Fettstoffwechsel. Unter anderem haben sie einen direkten Einfluss auf die Schilddrüsenfunktion. So konnte in Studien nachgewiesen werden, dass eine kohlenhydratarme Ernährung die Schilddrüsenfunktion verringert und zu Müdigkeit, Abgeschlagenheit sowie Kraft- und Energieverlust führt. Darüber hinaus kann es dadurch zu einer gesteigerten Körperfetteinlagerung und einem verringerten Abbau von Körperfett kommen. Der Grund: Die Schilddrüse regelt unter anderem den Stoffwechsel, die Energiebereitstellung, den Mineralstoff- und Wasserhaushalt sowie das psychische Wohlbefinden. Eine kohlenhydratarme Ernährung wirkt sich demnach langfristig negativ auf diese Körperbereiche aus. Auch für die Muskelbildung sind Kohlenhydrate unabdingbar. Denn sie tragen dazu bei, Eiweiß und andere wichtige Nährstoffe in die Muskeln zu übertragen. Gerade, wer intensiv trainiert, benötigt daher Kohlenhydrate: So helfen kohlenhydrateiche Lebensmittel dabei, mittels Insulinausschüttung die Glykogenspeicher aufzufüllen, was wiederum zum Muskelaufbau und einer normalen Muskelfunktion und –kontraktion beiträgt.

Ein Verzicht auf Kohlenhydrate führt außerdem auch dazu, dass im Rahmen der Eiweiß-Diät auf Lebensmittel verzichtet wird, die sehr gesund sind: So enthält beispielsweise Obst sehr viele Kohlenhydrate, weswegen es bei der Eiweiß-Diät meist vom Speiseplan gestrichen wird. Das Problem: Obst enthält neben Kohlenhydraten auch lebenswichtige Vitamine, Mineralien, Ballaststoffe und Spurenelemente. Werden diese nicht durch andere Lebensmittel aufgenommen, kann es aufgrund der kohlenhydratarmen Ernährung also zu Mangelerscheinungen kommen. Ein Vitaminmangel infolge einer Eiweiß-Diät kann jedoch erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen, darunter neurologische Schäden und Knochenschwund.

Erhöhtes Risiko für Krankheiten: Warum zu viel Eiweiß der Gesundheit schadet

Doch nicht nur die verringerte Kohlenhydrate-Zufuhr kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Auch die hohe Menge an konsumierten Proteinen im Rahmen der Eiweiß-Diät kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Ein verstärkter Eiweiß-Konsum kann die Nieren belasten, da es zu einem erhöhten Druck in den Nierenkörperchen und einer Hyperfiltration kommen kann. Deswegen sollten gerade Menschen mit Nierenerkrankungen die Finger von der Eiweiß-Diät lassen. Darüber hinaus kann die erhöhte Protein-Zufuhr das Risiko für Krankheiten wie Diabetes, Rheuma, Arthrose, Nierenentzündungen, Schlaganfälle und Herzinfarkte erhöhen. Das ist besonders dann der Fall, wenn das konsumierte Eiweiß viel Fett enthält. So enthalten gerade tierische Eiweiße oft viel Fett. Auch in Käse sind häufig gesättigte Fettsäuren versteckt – im Zusammenspiel mit dem Eiweiß belasten diese die Gesundheit besonders stark. Darüber hinaus wird auch spekuliert, dass Eiweiß Alzheimer verursachen kann. Zudem kann es infolge der Eiweiß-Diät zu einem Folsäuremangel kommen, der ausgeglichen werden muss.

Auch eine Übersäuerung des Körpers kann durch zu viel Eiweiß entstehen. Denn Lebensmittel haben einen direkten Einfluss auf den Säure-Basen-Haushalt unseres Körpers. Bei der Verstoffwechslung des Proteins entsteht viel Säure, da diese vor allem beim Abbau von Aminosäuren aus Lebensmitteln tierischer Herkunft entsteht.

Obwohl viele ihre Eiweiß-Zufuhr erhöhen, um abzunehmen, können die Proteine unter Umständen genau das Gegenteil bewirken. Denn wer zu viel Eiweiß konsumiert und intensiv trainiert, bringt seinen Stoffwechsel durcheinander und steht unter Stress. Und in Stresssituationen schüttet unser Körper vermehrt das Stresshormon Cortisol aus. Dieses wiederum führt langfristig zu einer Gewichtszunahme oder zu Gewichtsschwankungen: Nährstoffe gelangen nicht mehr in die Muskeln, sondern in die Fettzellen, weswegen die Muskeln irgendwann das eigene Eiweiß nutzen, um Energie zu gewinnen. Doch nicht nur Gewichtsprobleme und ein Verlust der Muskulatur können die Folge hiervon sein, sondern es kann auch zu Erschöpfung und Burn-Out kommen.

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Fisch ist gesund. Doch wer zu viele Proteine zu sich nimmt, hat ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten. Bild: fotolia.com © bit24 (#73599286)

 

Fazit: Die Mischung macht’s

Wer gerne abnehmen möchte, sollte von Diäten wie der Eiweiß-Diät Abstand nehmen. Am gesündesten und auch am wirkungsvollsten ist es, sich ausgewogen zu ernähren. Eine einseitige und proteinreiche Kost kann dagegen langfristig schädlich für die Gesundheit sein. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) reichen täglich 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilo Körpergewicht aus. Die unschädliche Obergrenze liegt bei 2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, wobei sportlich aktive Menschen etwas mehr Eiweiß konsumieren können.

Wichtig ist es allerdings, dabei auch viel zu trinken, damit die durch die Proteine entstandenen Harnstoffe wieder über den Urin ausgeschieden werden und die Niere unterstützt werden kann. Während im Normalfall etwa zwei Liter täglich empfohlen werden, sollten im Fall einer proteinreichen Ernährung mindestens drei bis vier Liter getrunken werden. Obwohl tierisches Eiweiß eine besonders hohe biologische Wertigkeit besitzt, ist das pflanzliche Eiweiß um einiges gesünder. Wer tierische Proteine konsumieren möchte, sollte vor allem fettarmes Fleisch und fettarme Milchprodukte verzehren, um ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermeiden. Darüber hinaus sollte auf eine basenreiche Kost geachtet werden, um die Übersäuerung des Körpers zu vermeiden und das Säure-Basen-Gleichgewicht sicherzustellen. Nüsse, Obst und Gemüse sind wichtige Basenlieferanten, die die bei der Verstoffwechslung des Proteins entstehende Säure ausgleichen. Dabei wird auch bereits deutlich, dass es nicht möglich ist, sich nur von Eiweiß zu ernähren und komplett auf Kohlenhydrate zu verzichten: Wie oben bereits beschrieben, enthält Obst viele Kohlenhydrate und ist im Rahmen einer gesunden Ernährung unverzichtbar. Dabei sind die in der Eiweiß-Diät verbotenen Kohlenhydrate gar nicht so schlecht, wie sie dargestellt werden, sondern sind im Gegenteil wichtig, um unsere Körperfunktionen zu unterstützen. Wichtig ist nur, dass sie zum richtigen Zeitpunkt verzehrt werden: Nämlich nach dem Training. Abschließend kann also festgehalten werden, dass eine ausgeglichene und bewusste Ernährung grundlegend für unsere Gesundheit ist. Von einseitigen Diäten wie der Eiweiß-Diät ist dagegen abzuraten.

Quellenangabe Titelbild: Im neuen Jahr stehen Sport und Diäten oft ganz oben auf der Liste der guten Vorsätze. Bild: fotolia.com © Sergey (#132207075)

Quellen: Apotheken.de