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Einsamkeit – gefährlicher als man denkt

Einsamkeit – gefährlicher als man denkt

Das Coronavirus zwingt uns derzeit dazu, Abstand zu halten. In diesem Zusammenhang kommt immer wieder das Thema „Einsamkeit im Alter“ zur Sprache. Doch auch junge Menschen können sich einsam fühlen. Einsamkeit kommt häufiger vor, als man denkt. Etwa 7 % aller Erwachsenen in Europa fühlen sich regelmäßig einsam – also immerhin 30 Millionen Menschen! Leider jedoch ist das Thema immer noch von einem Tabu umgeben. Das sollte nicht so sein, denn Einsamkeit kann gravierende Folgen für die Gesundheit haben.

Wann ist man einsam?

Fälschlicherweise wird oft angenommen, Einsamkeit sei dasselbe wie Alleinsein. Alleinstehende mit wenig sozialen Kontakten sind jedoch nicht notwendigerweise einsam. Andererseits kann man trotz großer Familie und weitläufigem Freundeskreis sehr einsam sein. Einsamkeit entsteht vor allem aus dem Gefühl heraus, mit niemandem wirklich verbunden zu sein. Es fehlt die enge Bindung zu anderen.

Soziale oder emotionale Einsamkeit

Ein Grund für Einsamkeit kann soziale Isolation sein: wenn man also tatsächlich nur mit sehr wenigen Menschen spricht. Durch die Coronakrise wird dieses Problem derzeit verstärkt in den Medien thematisiert. Immer wieder liest und hört man Berichte von Senioren und Pflegeheimbewohnern, die weder Besucher empfangen noch vor die Tür gehen dürfen.

Soziale Einsamkeit kommt jedoch auch in anderen Altersgruppen vor. Zum Beispiel bei Heranwachsenden, die sich dem Druck der sozialen Medien ausgesetzt sehen. Entsprechen sie nicht dem perfekten Bild, das auf u. a. Facebook und Instagram die Norm ist, wankt das Selbstwertgefühl. Das kann sogar dazu führen, dass sich junge Menschen aus dem sozialen Leben zurückziehen.

Dann gibt es noch die emotionale Einsamkeit. Bestehenden Beziehungen fehlt die gewünschte Qualität; Freunde oder die Familie scheinen einen nicht wirklich zu verstehen oder zu beachten. Oder man traut sich bei ihnen nicht, so zu sein, wie man ist.

Die Folgen von Einsamkeit

Jeder fühlt sich schon mal einsam. Oft jedoch verschwindet dieses Gefühl irgendwann auch wieder. Wer aber längere Zeit einsam ist, kann körperliche und psychische Beschwerden entwickeln. Und dabei geht es nicht um unschuldige Leiden wie Kopfschmerzen oder Übelkeit. Wirkliche, anhaltende Einsamkeit kann schwere Erkrankungen zur Folge haben, wie z. B.:

  • Alzheimer und andere Formen von Demenz mit den bekannten Folgen wie Gedächtnisverlust und kognitivem Rückgang.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie z. B. Herzinfarkt oder Schlaganfall (Hirnblutung).
  • Depressionen. Einsame Menschen befinden sich oft in einer Abwärtsspirale aus düsteren Gedanken und Gefühlen der Leere, Traurigkeit oder Sinnlosigkeit. Entsprechend wurde ein Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Selbstmordgedanken festgestellt.

Verstärkt wird diese Problematik noch durch ungesunde Lebensgewohnheiten. Wer sich einsam fühlt, sorgt weniger gut für sich selbst. Oft äußert sich das in:

  • ungesunder Ernährung;
  • Bewegungsmangel;
  • Rauchen und/oder Trinken;
  • Schlafproblemen.

Und nicht zuletzt führt Einsamkeit häufiger zu Alkoholabhängigkeit oder Drogenkonsum. Alle diese Faktoren tragen zu Gesundheitsbeschwerden bei, z. B. zu Übergewicht, Bluthochdruck und einem hohen Cholesterinspiegel. Und die wiederum sind Risikofaktoren für Herzprobleme, Alzheimer und andere schwere Erkrankungen.

Vorzeitiger Tod durch Einsamkeit

Auf die Dauer kann Einsamkeit das Leben verkürzen. Wie der bekannte Psychiater Manfred Spitzer feststellte, ist Einsamkeit doppelt so tödlich ist wie Alkoholkonsum und zwanzig Prozent tödlicher als Rauchen. Alles in allem sind dies keine erfreulichen Zahlen. Grund genug, etwas gegen Einsamkeit zu tun.

Was können Sie selbst gegen Einsamkeit tun?

Wer sich einsam fühlt, braucht sich nicht geschlagen zu geben. Ein paar Tipps:

  • Finden Sie heraus, warum Sie einsam sind. Nur dann können Sie die richtigen Schritte unternehmen. Sind Sie sehr schüchtern oder besorgt, was andere von Ihnen denken? Oder ist die Ursache rein praktisch – sind Sie z. B. schlecht zu Fuß und dadurch vor allem ans Haus gefesselt?
  • Schalten Sie Hilfe ein. Wenn Sie den Kern des Problems entdeckt haben, können Sie Hilfe suchen. Ihr Hausarzt kann da ein erster Ansprechpartner sein und Sie z. B. an einen Psychologen oder eine Beratungsstelle verweisen.
  • Sprechen Sie darüber. Wenn niemand weiß, wie Sie sich fühlen, kann auch niemand Ihnen helfen. Rufen Sie jemanden an, der Sie kennt und mag, und erzählen Sie, was Sie bedrückt. Sagen Sie ruhig, dass Sie sich mehr Kontakt wünschen und dass Sie sich einsam fühlen. Hier bieten sich auch Online-Gesprächsgruppen an. Sind Sie nicht so ein Gruppenmensch? Dann gibt es online wie offline Anlaufstellen für Gespräche unter vier Augen.
  • Treten Sie einem Verein bei. Natürlich einem, der zu Ihnen passt. Bewegen Sie sich gerne? Dann wäre vielleicht ein Sport- oder Wanderverein etwas für Sie. Kreative fühlen sich möglicherweise in einem Malclub unter ihresgleichen. Echte Bücherwürmer könnten bei einem Leseclub mitmachen. So lernen Sie ganz ungezwungen und unverbindlich neue Leute kennen.
  • Nehmen Sie sich ein Haustier! Untersuchungen ergaben, dass Haustiere, die man streicheln kann – wie Katzen und Hunde – sehr gut gegen Einsamkeit helfen. Und nicht zuletzt kommt man beim Gassigehen schnell in Kontakt.
  • Packen Sie körperliche oder psychische Beschwerden an. Spüren Sie, dass Ihr Körper oder Ihre Seele unter der Einsamkeit leiden? Dann warten Sie nicht länger, sondern gehen Sie diese Probleme an. Ein Arzt kann Ihnen Medikamente verordnen. Depressive Stimmungen lassen sich z. B. gut mit Antidepressiva behandeln, und auch für Bluthochdruck, Alkoholsucht und Schlafprobleme gibt es zahlreiche Lösungen.

Einsamkeit erkennen und ihr entgegenwirken

Vielleicht sind Sie selbst nicht einsam, würden aber gerne helfen. Da einsame Menschen jedoch selten sagen, wie es um sie steht, ist Einsamkeit nur schwer zu erkennen. Es gibt allerdings Signale, z. B.:

  • ein ungepflegtes Äußeres;
  • Kontaktvermeidung oder Ausweichen aus Verlegenheit oder Scham;
  • geringe soziale Kompetenz.

Kennen Sie jemanden, der sich einsam fühlt? Versuchen Sie, mit ihm oder ihr in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Trinken Sie Kaffee zusammen, gehen Sie gemeinsam spazieren oder wechseln Sie an der Tür ein paar Worte. Manchmal hilft es schon sehr, wenn einer mal zuhört! Bieten Sie Hilfe an, wenn jemand aufgrund von Alter, Krankheit oder Behinderung ans Haus gefesselt ist. Vielleicht könnten Sie Einkäufe machen oder eine selbstgekochte Suppe vorbeibringen.

Es gibt auch viele ehrenamtliche Dienste, die sich für Einsame einsetzen. Wenn Sie sich öfter einbringen möchten, finden Sie online sicher eine vergleichbare Einrichtung in Ihrer Nähe.

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Dokteronline.com ist die Plattform, die Verbraucher, Ärzte und Apotheken miteinander verbindet, um gezielte Behandlungen zu bieten. Dokteronline.com glaubt an eine verantwortungsbewusste Eigenregie, wenn es um die sorgfältige Behandlung von Gesundheitsbeschwerden geht.

Quellen:

Alzheimer Nederland. (s.d.). Is eenzaamheid een risicofactor voor dementie? [Ist Einsamkeit ein Risikofaktor für Demenz?] Verfügbar unter https://www.alzheimer-nederland.nl/dementie/oorzaken-preventie/eenzaamheid [25. Mai 2020]

EU Science Hub. (2019, 14. Juni). How lonely are Europeans? [Wie einsam sind die Europäer?] Verfügbar unter https://ec.europa.eu/jrc/en/news/how-lonely-are-europeans [25. Mai 2020]

Happinez. (2018, 3. Juli). Voel jij je eenzaam? Deze tips van therapeuten helpen je op weg. [Fühlen Sie sich einsam? Diese Tipps von Therapeuten helfen Ihnen weiter.] Verfügbar unter https://www.happinez.nl/groei/de-epidemie-van-eenzaamheid-dit-is-wat-je-er-zelf-tegen-kunt-doen/ [25. Mai 2020]

Ministerie van Volksgezondheid, Welzijn en Sport. (s.d.). Hoe kan ik eenzaamheid herkennen? [Wie erkenne ich Einsamkeit?] Verfügbar unter https://www.eentegeneenzaamheid.nl/dit-kun-jij-doen/hoe-kan-ik-eenzaamheid-herkennen/ [25. Mai 2020]

Ministerie van Volksgezondheid, Welzijn en Sport. (2019, 10. September). Over eenzaamheid. [Über Einsamkeit.] Verfügbar unter https://www.eentegeneenzaamheid.nl/over-eenzaamheid/over-eenzaamheid/ [Montag, 25. Mai 2020]

RIVM. (2018, 16. Februar). Eenzaamheid | Cijfers & Context | Oorzaken en gevolgen | Volksgezondheidenzorg.info. [Einsamkeit | Zahlen und Kontext | Ursachen und Folgen | Volksgezondheidenzorg.info.] Verfügbar unter https://www.volksgezondheidenzorg.info/onderwerp/eenzaamheid/cijfers-context/oorzaken-en-gevolgen#!node-gevolgen-van-eenzaamheid [25. Mai 2020]

van de Poll, W. (2018, 20. November). Eenzaamheid is twee keer zo dodelijk als alcohol. [Einsamkeit ist doppelt so tödlich wie Alkohol.] Verfügbar unter https://www.trouw.nl/nieuws/eenzaamheid-is-twee-keer-zo-dodelijk-als-alcohol~bb9c513a/?referer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F [25. Mai 2020]