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Die Uhr tickt – weibliche Unfruchtbarkeit

Die Uhr tickt – weibliche Unfruchtbarkeit

Weibliche Unfruchtbarkeit kommt genauso häufig vor wie männliche Impotenz. Bei einem Drittel der kinderlosen Paare liegt die Ursache bei der Frau, bei einem zweiten Drittel liegt diese beim Mann und beim letzten Drittel liegt bei beiden Geschlechtspartner eine Unfruchtbarkeit vor. Mit der Zeit nimmt die Fruchtbarkeit bei Frauen ab.

Der weibliche Fortpflanzungszyklus

Dem weiblichen Fortpflanzungszyklus liegen Hormone im Gehirn zugrunde, welche die Eierstöcke dazu stimulieren Eizellen in die Eileiter freizugeben, damit diese durch Samenzellen befruchtet werden und sich letztendlich in die Gebärmutter einnisten können.

Im Gegensatz zu Männern, die ständig neue Samenzellen produzieren, werden Frauen mit einem bestimmten Vorrat an Eizellen geboren. Hierbei handelt es sich um ungefähr 1.000.000 Eizellen. Diese Anzahl sinkt allerdings recht rapide auf 50% im Alter von 15 Jahren und auf lediglich noch 12% im Alter von 30 Jahren. Die meisten Eizellen werden also niemals freigegeben. Jeden Monat wird während dem hormonellen Zyklus eine Eizelle (manchmal mehr) freigegeben. Diese Eizelle wandert vom Eierstock über die Eileiter in Richtung Gebärmutter, wo sie durch Samenzellen befruchtet werden kann. Geschieht dies nicht, dann wird die Eizelle zusammen mit dem Menstruationsblut ausgespült.

Ursachen für eine Unfruchtbarkeit bei Frauen

Aufgrund der progressiven Abnahme der Anzahl an Eizellen ab der Geburt, ist das Alter der wichtigste Faktor für weibliche Unfruchtbarkeit. Mit Mitte zwanzig sind Frauen am fruchtbarsten. Die Fruchtbarkeit sinkt daraufhin ab dem 27sten Lebensjahr. Ab 30 Jahren sinkt die Fruchtbarkeit dann jährlich um 3-5% und nach dem 35sten Lebensjahr beschleunigt sich dieser Abbau noch mehr. Mit ungefähr 50 Jahren kommen Frauen dann in die Wechseljahre.

Leider bedeutet ein höheres Alter nicht nur weniger Eizellen, sondern auch weniger gesunde Eizellen, weniger lebensfähige Eizellen und ein geringeres Vermögen, die Eizellen in die Gebärmutter zu bringen. Außerdem erhöht sich das Risiko auf andere Gesundheitsprobleme, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können.

Das bedeutet nicht, dass eine natürliche Befruchtung unmöglich ist – es ist einfach nur schwieriger. Im Alter von 35 Jahren, ist es noch immer 94 von 100 gesunden Frauen (mit einem gesunden Partner) möglich, innerhalb von drei Jahren schwanger zu werden.

Andere häufig vorkommende Ursachen für weibliche Unfruchtbarkeit hängen stark mit physischen Behinderungen auf dem Weg der Eizelle zu der Saatzelle zusammen. Fibromen (gutartige Bindegewebegeschwüre in der Gebärmutter), Endometriose (Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle) und Verklebungen sind hier einige Beispiele. Abgesehen davon haben manche Frauen eine abnormale Anatomie, die einen Einfluss auf die Fortpflanzungsorgane haben kann.

Es können auch Probleme beim Freisetzen der Eizellen entstehen. PCOS (Polyzystisches Ovar-Syndrom), ein Syndrom bei dem eine Störung im Hormonhaushalt zu einem unregelmäßigeren Zyklus führt, und Schilddrüsenprobleme kommen am häufigsten vor. Ungünstige Faktoren, wie beispielsweise Unter- oder Übergewicht sowie übermäßiges Sporttreiben (mehr als fünf Stunden pro Woche) haben ebenfalls einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit.

Es ist wichtig noch zu betonen, dass es bis zum heutigen Tag keine Studien gibt, die belegen, dass die Einnahme der Anti-Baby-Pille oder eine Abtreibung einen Einfluss auf die zukünftige Fruchtbarkeit haben.

Untersuchungen

Bei der Untersuchung Ihrer Fruchtbarkeit können nach einem Gespräch sowie einer physischen Untersuchung des Arztes die folgenden Untersuchungen durchgeführt werden, um mögliche Ursachen auszuschließen:

  1. Blutuntersuchung – nach den Hormonen FSH und LH, Testosteron und Schilddrüsenfunktion
  2. Test auf Geschlechtskrankheiten – Chlamydien, Ureaplasma und Mycoplasma
  3. Echoskopie – Untersuchungen der Eierstöcke, Eileiter und Gebärmutter

Wenn keine Ursache gefunden wird, sind unter Umständen weitere Untersuchungen nötig, wie beispielsweise ein HSG (Hysterosalpingogramm – ein spezielles Röntgenfoto) der Gebärmutter und zur Durchlässigkeit der Eileiter sowie eine Bauchspiegelung (Laparoskopie).

Behandlung

Glücklicherweise sind die meisten Fälle weiblicher Unfruchtbarkeit behandelbar mit Anpassungen im Lebensstil, in der Medikamenteneinnahme oder durch eine Operation.

Anpassungen im Lebensstil zielen hauptsächlich auf ein gesundes Gewicht und auf die Vermeidung von hohem Stress und zu viel Sport ab. Alkohol, Rauchen und chemische Stoffe sollten am besten gemieden werden. Die Einnahme von Folsäure kann hierbei einen positiven Effekt haben.

Die Einnahme von Medikamenten, die einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben können, sollte im besten Falle falls möglich abgesetzt werden, selbstverständlich erst nach ärztlicher Rücksprache. Eventuelle Geschlechtskrankheiten müssen mit einem Antibiotikum behandelt werden.

Probleme beim Eisprung aufgrund von Hormonhaushaltstörungen können mit Follikel-stimulierenden Medikamenten, wie beispielsweise Clomifen und Gonadotropin, behandelt werden. Frauen mit PCOS können Metformin einnehmen, um die Fruchtbarkeit zu fördern.

Während der Bauchspiegelung können physische Beeinträchtigungen entfernt werden, wie Fibrome, Endometriose, Zysten auf den Eierstöcken oder Verklebungen.

Wenn keine Ursache gefunden werden kann, gibt es auch noch Fruchtbarkeitsbehandlungen, wie eine intrauterine Insemination (IUI), eine In-vitro-Fertilisation (IVF) und eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), abhängig von den Ergebnissen der Untersuchungen, dem Alter der Frau, der Gesundheit und der Wünsche des Paares. Es gibt jedoch keine perfekte Lösung – in den meisten Fällen vergehen einige Zyklen ohne Erfolg. Dies ist jedoch stark abhängig vom Alter der Frau und es besteht ein erhöhtes Risiko auf Mehrlingsgeburten sowie auf Geburtsabweichungen.