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Behandlungen bei schwerer Schlaflosigkeit

Behandlungen bei schwerer Schlaflosigkeit

Längerfristiger schlechter Schlaf ist schädlich für Ihre Gesundheit. Aus anhaltenden Schlafbeschwerden kann sich zudem eine chronische Schlaflosigkeit entwickeln. Umso wichtiger ist es, schwerwiegende Schlafprobleme schnell anzugehen. Dazu gibt es verschiedene Ansätze.

Was ist schwere Schlaflosigkeit?

Wer schlecht schläft, leidet darum nicht gleich an Schlaflosigkeit. Jeder hat schon mal eine schlechte Nacht, auch gute Schläfer und mäßige Schläfer. Schwere Schlaflosigkeit wird erst diagnostiziert, wenn Ihre Beschwerden die folgenden Kriterien erfüllen:

  • Sie schlafen mindestens dreimal pro Woche schlecht, d. h.
  • Sie brauchen lange zum Einschlafen (über 30 Minuten),
  • Sie wachen nachts mehrmals auf und liegen dann ggf. lange wach, oder
  • Sie wachen morgens sehr früh auf, ohne wieder einschlafen zu können.
  • Sie leiden tagsüber unter dem Schlafmangel, fühlen sich also z. B. nicht fit, sind müde oder labil, haben Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen.
  • Die Schlafbeschwerden halten seit mindestens drei Wochen an.

Wenn Sie erst seit kurzer Zeit (seit weniger als drei Wochen) an den oben genannten Schlafbeschwerden leiden, handelt es noch um eine kurzfristige Schlaflosigkeit. Nach über drei Wochen sprechen Ärzte von einer schweren Schlaflosigkeit. Beschwerden, die länger als drei Monate anhalten, weisen auf eine chronische Schlaflosigkeit hin.

Wie wird schwere Schlaflosigkeit behandelt?

Bei Symptomen anhaltender Schlaflosigkeit empfehlen Ärzte immer erst eine Änderung des Lebensstils. Oft spielen nämlich bestimmte Faktoren oder Gewohnheiten eine Rolle, z. B.:

  • Stress,
  • Übergewicht,
  • Kaffeekonsum,
  • falsches Schlafverhalten (unregelmäßige Bettzeiten, Alkohol zum Einschlafen),
  • späte Bildschirmzeit.

Mit diesen Tipps für einen besseren Schlaf lassen sich Schlafprobleme verringern.

Auch werden Ärzte immer mögliche körperliche oder seelische Ursachen für die Schlaflosigkeit berücksichtigen. Manchmal hängen Schlafprobleme z. B. mit Medikamentengebrauch zusammen. Auch Juckreiz, die Wechseljahre, Husten oder Depressionen können eine Rolle spielen. Ein Arzt wird dann zunächst bei diesen Faktoren ansetzen.

Wenn Lebensstilanpassungen oder andere Behandlungsmethoden nicht helfen, wird möglicherweise ein Schlafmittel verschrieben.

Welche Medikamente helfen bei schwerer Schlaflosigkeit?

Schwere Schlaflosigkeit wird mit Schlafmitteln behandelt. In der Regel handelt es sich um Mittel aus der Gruppe der Benzodiazepine: Medikamente, die muskelentspannend und beruhigend wirken. Dabei wird zwischen kurz und lang wirkenden Benzodiazepinen unterschieden.

Gewöhnlich wird die kurzwirksame Variante verschrieben, oder auch ein Non-Benzodiazepin wie Zolpidem oder Zopiclon (Z-Medikamente). Der Vorteil von kurzwirksamen Schlafmitteln ist, dass tagsüber weniger Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Schläfrigkeit auftreten. Bei langwirksamen Schlafmitteln ist dies viel wahrscheinlicher.

Wie wirken Schlaftabletten?

Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine und der Non-Benzodiazepine dämpfen das zentrale Nervensystem. Dadurch lösen sich Muskelverspannungen und wird Angst gelindert. Die Medikamente wirken beruhigend und machen etwas benommen; infolgedessen wird man schläfrig. Schlaftabletten wirken schnell, in der Regel bereits innerhalb einer halben Stunde. Somit eignen sie sich für Schlafbeschwerden wie z.B. spätes Einschlafen. Die Wirkung kurzwirksamer Benzodiazepine hält etwa sechs Stunden an. Man kann also einen Großteil der Nacht gut schlafen. 

Schlafmittel beseitigen nicht die Ursache der Schlaflosigkeit. Daran muss also auf andere Weise gearbeitet werden, z. B. durch Anpassungen des Lebensstils, Schlaftraining oder die Behandlung der eigentlichen Grunderkrankung.

Wohl aber können Schlafmittel den Teufelskreis vorübergehend unterbrechen, in den man durch Schlafmangel geraten kann. Ein paar gute Nächte reduzieren die Übermüdung, sodass man tagsüber mehr Energie hat. Entsprechend können Schlaftabletten bei akuten Stresssituationen vorübergehend helfen – z. B. wenn ein nahestehender Mensch gestorben ist.

Nachteile von Schlafmitteln

Die Anwendung von Benzodiazepinen und Non-Benzodiazepinen hat Nachteile. So wirken Schlafmittel nach einer gewissen Zeit nicht mehr optimal. Man braucht also höhere Dosen, um gut schlafen zu können. Diesen Effekt bezeichnet man auch als Gewöhnung oder Toleranz.  

Bei längerer Anwendung oder hohen Dosen kann sich zudem eine Abhängigkeit entwickeln. Man kann dann nicht mehr auf Schlaftabletten verzichten. Menschen mit zurückliegender Alkohol- oder Drogenabhängigkeit sind hier besonders gefährdet.

Weitere Nachteile von Benzodiazepinen und Non-Benzodiazepinen sind die Nebenwirkungen sowie die Entzugserscheinungen bei einem plötzlichen Absetzen (z.B. Kopf- und Muskelschmerzen, massive Angst oder Verwirrung). 

Non-Benzodiazepine wie Zopiclon und Zolpidem sind nicht für jedermann geeignet. Bei der Schlafstörung Schlafapnoe, einer Leberfunktionsstörung oder der Muskelkrankheit Myasthenia gravis dürfen diese Schlaftabletten nicht angewendet werden. Auch bei Depressionen oder in der Stillzeit sind sie nicht empfehlenswert.

Nebenwirkungen von Schlaftabletten

Bei der Anwendung von Benzodiazepinen und Non-Benzodiazepinen können Nebenwirkungen auftreten. Zu den bekanntesten Beschwerden gehören: 

  • Mundtrockenheit,
  • Benommenheit oder Müdigkeit tagsüber,
  • Kopfschmerzen,
  • Schwindel,
  • Magen-Darm-Beschwerden.

Lenken Sie kein Fahrzeug und vermeiden Sie Aktivitäten, die Ihre ganze Aufmerksamkeit erfordern, wenn Sie bei sich Schwindel oder Müdigkeit feststellen.

Der vorsichtige Umgang mit Schlafmitteln

Non-Benzodiazepine wie Zopiclon (Imovane) oder Zolpidem müssen immer mit größter Vorsicht eingenommen werden. Allgemeine Richtlinien für die Einnahme dieser Schlafmittel:

  • Wählen Sie immer die niedrigstmögliche Dosierung.
  • Nehmen Sie die Schlaftabletten so kurz wie möglich ein und nicht länger als an zwei aufeinanderfolgenden Wochen. Greifen Sie vorzugsweise nur gelegentlich zu diesen Tabletten.
  • Setzen Sie Schlafmittel nach längerem Gebrauch nicht plötzlich ab. Verringern Sie die Dosis schrittweise, um Entzugserscheinungen zu vermeiden.
  • Trinken Sie keinen Alkohol, solange Sie dieses Schlafmittel anwenden. Alkohol kann die einschläfernde Wirkung des Medikaments verstärken.

Für starke Schlafmittel benötigen Sie immer ein ärztliches Rezept. Im Rahmen eines Arztbesuchs oder einer Online-Konsultation kann beurteilt werden, ob Medikamente wie Zopiclon oder Zolpidem für Sie unbedenklich sind. 

Andere Mittel, um besser zu schlafen

Es gibt neben Benzodiazepinen und Non-Benzodiazepinen noch weitere Schlafmittel. Hier einige weniger starke Alternativen: 

Melatonin

Das Hormon Melatonin wird von der Zirbeldrüse im Gehirn produziert und sorgt u. a. dafür, dass man nachts schläfrig wird. Die Melatoninproduktion wird weitgehend von der inneren Uhr und von der Wahrnehmung von Tageslicht und Dunkelheit beeinflusst. Manchmal produziert der Körper nicht genug Melatonin. Dies kommt häufiger bei älteren Menschen vor, oder auch bei Reisenden, die in eine andere Zeitzone fliegen (Jetlag).

Dieser Mangel lässt sich mit Melatonin-Tabletten ausgleichen. Melatonin ist besonders hilfreich bei Schlafbeschwerden, die von einer Störung der inneren Uhr verursacht werden.

Nebenwirkungen von Melatonin

Obwohl es sich bei Melatonin um eine körpereigene Substanz handelt, ist es nicht völlig unbedenklich. Folgende Nebenwirkungen sind möglich:

  • Kopfschmerzen,
  • Schläfrigkeit und Schwindel (Vorsicht beim Autofahren!),
  • anormale Träume,
  • Nervosität,
  • Magen-Darm-Beschwerden.

Bei Schwangerschaft, in der Stillzeit oder bei einer Autoimmunerkrankung wird die Anwendung von Melatonin nicht empfohlen. Niedrigdosiert ist Melatonin rezeptfrei erhältlich. Für höhere Dosierungen benötigen Sie ein ärztliches Rezept. Ein solches Rezept kann beispielsweise über eine Online-Arztkonsultation ausgestellt werden. 

Kräuterpräparate

Wer seine Schlafprobleme lieber auf natürliche Weise angeht, kann es mit einem pflanzlichen Heilmittel versuchen. Baldrian, Hopfen, Passionsblume und Zitronenmelisse sind für ihre beruhigende und schlaffördernde Wirkung bekannt. Die Kräuter sind rezeptfrei als Tee sowie als Nahrungsergänzungsmittel (Tabletten oder Tropfen) erhältlich.

Wenn Sie sich an die empfohlene Dosierung halten, ist die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen äußerst gering. Sollte dennoch z. B. Schläfrigkeit auftreten, so lenken Sie kein Fahrzeug. Lesen Sie vor der Anwendung immer den Beipackzettel, da pflanzliche Präparate nicht für jedermann geeignet sind. Baldrian z. B. wird in der Schwangerschaft oder Stillzeit nicht empfohlen. Lassen Sie sich von Ihrem Drogisten, Arzt oder Apotheker beraten, wenn Sie unsicher sind.

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Quellen:

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Nederlands Huisartsen Genootschap. (2018, 11. September).  [Ich denke darüber nach, ein Schlafmittel anzuwenden.] Thuisarts. NHG. Verfügbar unter https://www.thuisarts.nl/slaapproblemen/ik-overweeg-slaapmiddel-te-gebruiken [24. Juni 2020]

PsychoseNet. (s.d.). . [Benzodiazepine: Beruhigungs- und Schlafmittel.] Verfügbar unter https://www.psychosenet.nl/medicatie/benzodiazepinen/ [24. Juni 2020]

Zorginstituut Nederland. (s.d.-a). . [Schlaflosigkeit.] FarmacotherapeutischKompas. FK Online. Verfügbar unter https://www.farmacotherapeutischkompas.nl/bladeren/indicatieteksten/slapeloosheid [24. Juni 2020].

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